Die Vorfreude war groß: Cat Power hatte mit dem fantastischen Album „Sun“ quasi ihre Wiedergeburt gefeiert, das Ende der Exzesse, der
Abstürze. Doch dann musste die Tour verschoben werden, sie war pleite und krank. Mehr als ein halbes Jahr sollte es bis zum zweiten Anlauf
dauern, und damit auch zum Wiederholungskonzert in Hamburg in der Großen Freiheit 36. Es ist heiss und stickig, zu Anfang haben sogar die Sanitäter mit Kreislaufzusammenbrüchen zu tun. Als Vor-Act spielt Nessi, eine Singer-Songwriterin aus Berlin die sich alle Mühe gibt und mit angenehmer Stimme und schönen Harmonien zu gefallen weiß. Danach steigert sich die Vorfreude langsam ins unermessliche. Immer wieder passieren Dinge auf der Bühne, aber die Band um Sängerin Chan Marshall ist spät dran. Doch als das Licht angeht und sie die Bühne betritt, als die ersten Töne erklingen, ist da… Nichts.

Entgeisterte Gesichter suchen einander, fragen sich ob sie die einzigen sind, die die so berühmte Energie von Cat Power vermissen. „Torkelt sie?“ werde ich gefragt, ich kann es nicht beantworten. Einige Songs sind fast nicht wieder zu erkennen, andere wirken lustlos daher gesungen wie das sonst so wunderbare „Human Being“. Der Applaus ist verhalten, einzelne Menschen johlen zwar, aber in den hinteren Reihen ist Ratlosigkeit eingetreten. Ist sie krank? Müde? Wieder dem Drogenkonsum
verfallen? Wir wissen es nicht, aber von der Energie und Ausstrahlung, die Cat Power so berühmt gemacht hat, ist kaum etwas übrig. Ihre Gesten wirken fahrig, werden nicht zuende gebracht, ihre Präsenz beschränkt sich auf die immer gleichen Schritte. Selbst Klassiker wie „Metal Heart“ sind nur ein schlechtes Cover ihrer selbst. Erst ganz zum schluss springt der Funke ein klein wenig über. Das Konzert ist schon fast vorüber, da taut sie auf, wirkt fast erleichtert und gibt von der Bühne herunter noch Autogramme. Bleibt die Hoffnung, dass beim nächsten Mal wieder alles gut sein wird…