Ein ganzen ganz schön edlen Ort hatte sich Nika Roza Danilova a.k.a. Zola Jesus da ausgesucht: Das Theater am Ufer, jetzt HAU1 in Berlin war einziger Auftrittsort für die „Versions“-Tour, passte aber zum
dazugehörigen Album. Das besteht nämlich aus klassischen Neu-Arrangements ihrer düsteren Pop-Songs, die JG Thirlwell zusammen mit einem
Streichquartett in Szene gesetzt hat. Die Erwartungen waren also hoch an diesem Abend, konnten aber vom ersten Takt an mehr als erfüllt werden. Obwohl sie sich wegen Erkältung entschuldigte, hatte Zola Jesus ein
unglaubliches Volumen in ihrer Stimme. Die Streicherinnen taten, dirigiert von JG Thirlwell ihr übriges: Schon mit den ersten Takten, mit „Hikikomori“ und „In your Nature“ ließ sich das fast
ausverkaufte Theater in seinen Bann ziehen. Es war ein beeindruckender Dualismus: Auf der einen Seite diese Songs, die mit ihren Referenzen an
die Gothic-Ära der 80er-Jahre, mit ihren Texten und Harmonien eine
bitterschwere Düsternis ausstrahletn. Auf der anderen die Streicher, die
Sängerin, ihr goldenes Kleid, die all das immer wieder vermochten
aufzulockern und fast leichtfüßig klingen zu lassen.
Wer das großartige „Versions“ gehört hatte, der konnte sich doppelt
freuen: alle neun Songs waren in ihren klassischen Arrangements auf der
Setlist, dazu noch „Clay Bodies“ und „Vessel“ zum Schluss, alte Songs,
die es nicht auf das neue Album geschafft hatten.
Gegen Ende merkte man ihr die Erkältung dann doch ein wenig an, aber als
nach über einer Stunde das Konzert mit „Avalanche“ endet, war der Saal
am toben.