Früh hatte sie angefangen, so früh, dass einige Konzertbesucher sie zunächst für die Vorband hielten. Doch die Band, die hinter Ane Brun stand hatte nur wenige Minuten alleine gespielt, um dann mit der norwegischen Sängerin auf die Bühne zurück zu kehren und, umgeben von Lampen in gemütlichem, weichen Licht, den ersten Song anzustimmen. Ane Brun ist eine der Künstlerinnen, die nicht so recht in eine Schublade passen wollen. „Adult Contemporary“ nennt sich das auch, diese Mischung aus Pop und Folk, ein bisschen Singer/Songwriter, gelegentlichen Anleihen von Jazz und manchmal auch ein wenig Soul in der Stimme. Und einer herzlich-nordischen Ausstrahlung. Es waren wunderbar zarte Songs, die sie mit ihrer Unterstützung aus zwei Keyboardern,
Kontrabass, Percussion und Schlagzeug, einer Backing-Sängerin und einem Gitarristen vortrug. Musik, um die Augen zu schließen und einzutauchen in das so vielfältige und mystische Skandinavien. Seit zehn jahren steht sie nun auf den Bühnen dieser Welt, ihr aktuelles Album heisst „Rarities“ und ist mehr eine Sammlung verschiedener Kleinodien, unter
anderem Covers, die sie auch zum Besten gab. So etwa eine ruhige, getragene Variante von Alphavilles 80er-Jahre-Hit „Big in Japan“, oder das mittlerweile fast schon berühmte Cindy-Lauper-Cover von „True Hope“, die beide für frenetischen Jubel sorgten. Beide Songs kamen in der Zugabe, als Ane Brun längst ein wenig aufgetaut war. Hatte sie zu Anfang
mehr geschwiegen und sich vor allem hinter dem Mikrofon versteckt, begann sie zunehmend den Bühnenraum für sich zu nutzen, über die Bühne
zu tanzen, mehr Tempo auch in ihre Songs zu bringen. Es war eine wahre Werkschau, von „Humming one of your songs“, dem ersten Song ihres ersten Albums, wie sie selber ankündigte, bis hin zu eben jenen Stücken aus „Rarities“ oder auch einer ganzen Reihe an Songs von ihrem 2011er
Erfolgsalbum „it all starts with one“, das es in Norwegen und Schweden bis an die Spitze der Charts geschafft hatte, darunter „One“, „Do you
remember“ und, zum Abschluss des Konzertes „Undertow“, das noch einmal für Gänsehaut sorgte.
Am Ende, nach 90 Minuten und fünf Zugaben gingen die Lichter wieder an, aber nicht ohne dass erst die Sängerin und danch jedes einzelne Bandmitglied nach und nach, mitten im Song, mit einer Verbeugung die Bühne verlassen hätte, bis zum Schluss nur der Keyboarder übrig war. Es
war ein heutige Verhältnisse also garantiert ein Konzert der Kategorie „Überlänge“ und eines, das wohl keinen einzigen Besucher unzufrieden
zurück gelassen haben sollte.