Die Siebziger und Achtziger sind ja schon eine ganze Weile unter uns. So einige verbotene Früchte wurden da zu Tage getragen und gerade wenn man glaubt, der Zug wurde eingeholt, kommen immer wieder neue Facetten ums Eck. Der Aha-Effekt stellt sich wieder ein. Hätte man mal gleich jemanden gefragt, der sich mit der Retrospektive auskennt. Eine Band wie A Mountain Of One aus England zum Beispiel. Der Prog-Rock ist wieder unter uns. Sicher hat er uns Übles angetan, wenn man nur an Jethro Tull, Uriah Heep oder Procol Harum denkt.

Von den zwei Jungs aus London wird er allerdings, ohne an diese Referenzen zu schrammen, schmerzfrei und unglaublich authentisch vorgetragen und mahnt die Großtaten von Pink Floyd oder Talk Talk an. Eben mit jenen kann es das Album „Institute of Joy“ tatsächlich aufnehmen. Die Band selbst sieht sich da auch mit jedem Ehrgeiz auf Augenhöhe: „Wir mussten so ambitioniert wie möglich sein. Es würde einfach keinen Sinn machen, die nächsten vier Jahre abgebrannt zu sein und Pastete aus dem Supermarkt zu klauen.“

Video-Tipp: „Bones“ von A Mountain Of One:

Tatsächlich scheint es wenig Grund zu geben, das nächste Album im Knast schreiben zu müssen. Zu euphorisch hört sich an, was die englische Presse verlauten lässt. Gleich mehrere Fachblätter sprechen von der Platte des Jahres. Wohl auch, weil die Jungs den Sound von damals nicht nur schnöde nachzeichnen, sondern ihn ganz ohne hässliche Flecken ins Diesseits transportieren.

Wer sich aber traditionell an uferlosen Gitarren – soli, haushohen Synthieflächen und allerlei kleinteiliger Instrumentierung erfreut, der ist mit A Mountain Of One wohl beschenkt. Lange durfte man das Wort „Retro“ nicht mehr sagen, ohne sich danach den Mund mit Seife ausspülen zu wollen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Überlebenden des Genres auch mal zu einem Konzert dieser Band bewegen lassen.