Das deutsche Electropopduo Tobacco sang vor ein paar Jahren bedeutungsschwer und metaphorisch über die Liebe: „If Paris ever calls you / you should pack your bags and go / what in life is so important / to risk to lose the one you love.“ Phillipa Brown alias Ladyhawke nutzte ihren Besuch in der französischen Hauptstadt, um sich in das Nachtleben des Stadtteils St. Germain zu verknallen, wo die zerzaust-coolen Indie-Kids auf dem Bordstein sitzen und lässig Rotwein aus Flaschen trinken. „My heart is dreaming / but Paris is screaming / all night long“, reimt sie euphorisch in ihrem Dancefloor-Rocksong „Paris Is Burning“, während im dazugehörigen Videoclip Glitzer und Gold auf sie herabregnet. Die 27-jährige Neuseeländerin verbindet in ihrem gitarreverstärkten Electropop die selbstbewusst-feminine Haltung einer Debbie Harry mit dem optischen Style von Debbie Gibson, dem amerikanischen Pop-Gegenbeispiel zu Kylie Minogue in den Achtzigern.

Video-Tipp: Ladyhawke – „Paris Is Burning“

Apropos: Das Schulterpolsterjahrzehnt zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Ladyhawke. Benannt nach einem Fantasyfilm mit Michelle Pfeiffer von 1985, zitiert sie sterile Synthiesounds, Handclaps aus billigen Casio-Keyboards und Atari-Computerspielklänge. Die bewusst naiven Textzeilen („We’re part of a crazy world!“) und das Faible für Gesangsmelodien wie bei Bananarama sind ebenso Teil ihres Nostalgiesounds, den sie auf der Bühne in krachigen Electroclash umwandelt. Auf seiner ersten Zeitreise kommt der neu angekündigte Stern am Pophimmel nun endlich auch in deutsche Clubs. Jetzt fragt man sich, ob sie auch einer deutschen Stadt einen Jubelsong schreiben wird. So wie Paris.