Wenn Nina Persson konzentriert singt, zeichnen sich zwei senkrechte Fältchen zwischen ihren Augenbrauen ab. Bei den Auftritten mit ihrem Soloprojekt A Camp kommt das häufig vor, denn da ist sie sehr aufmerksam bei der Sache. Schon auf der Tour zum Debütalbum, das 2001 erschien, war zu beobachten, dass sich der leichtfüßige Front-Engel der Cardigans – immerhin Stimme solch moderner Popklassiker wie „Lovefool“ oder „Erase/Rewind“ – in eine schlaue Seelenforscherin verwandelt hat, die mehr vom Leben will, als nur bewundert zu werden. Und nun, nachdem sie sich acht Jahre Zeit gelassen hat, geht die Reise in das Innenleben mit dem neuen Album „Colonia“ in die zweite Runde. Textlich voller poetischer Ironie, musikalisch um Streicher, Klavier und Bläser erweitert.

Video-Tipp: „Stronger than Jesus“ von A Camp

Ein paar der neuen Songs stellte die 34-Jährige bei der schwedischen Grammy-Verleihung vor, und da erkannte man sie erst auf den zweiten Blick: schwarze Pfauenfedern im streng gekämmten Haar, ein tief dekolltiertes schwarzes, ärmelloses Kleid am Körper, schwarz lackierte Fingernägel. Das kreative Wirken mit ihrem Songschreiberkumpel Niclas Frisk und Filmmusikergatten Nathan Larson, die live mit dabei sind, scheint Nina Persson, die mittlerweile in Harlem lebt, mutiger gemacht zu haben. Da ist Mut zum Verkleiden, Mut zum Schauspielern, Mut zur Koketterie. Am deutlichsten zu spüren ist ihre wandelbare Aura beim theatralischen Song „The Crowning“, der mit zarten Pianotönen beginnt, dann im Dreivierteltakt wie ein berauschender Walzer umherwirbelt und sich mit leisem, melancholischem Klavier wieder verabschiedet. Ein formvollendeter Auftritt.