Als die Editors 2005 mit ihrem schaurig-schönen Debüt „The Back Room“ und dunklen Indiedisco-Hits wie „All Sparks“ auf sich aufmerksam machten, riefen sie auch die Nörgler auf den Plan: Manche hielten sie für eine schwächere britische Kopie der amerikanischen Interpol, andere warfen ihnen vor, ein paar Songs aus dem Backkatalog von Joy Division leicht umgeschrieben zu haben. Dabei klang die Band einfach nur sehr reif für ein erstes Album. Auch ihr Nachfolgewerk „An End Has A Start“ teilte die Hörerschaft in zwei Lager: Viele begrüßten die Zuwendung zum großen musikalischen Panorama, zu den in den Himmel ragenden Melodien, die sich in den Songs auftürmten – manche sahen aber einfach nur den Versuch, mit den Mitteln von U2 die besseren Coldplay zu werden. Wenig überraschend also, dass selbst die großartige Live-Performance der Editors auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg nicht von allen gefeiert wurde.

„Großartige Show!“, begeisterten sich die einen, „langweilig!“, fanden die anderen. Wer aber einen doppelten Überschlag, Feuerwerk und Effekthascherei erwartet, ist hier falsch. Es wäre auch lächerlich, bunte Ballons zu den schwermütigen Songs des Quartetts aus Birmingham steigen zu lassen. Die Bühnenshow ist reduziert, die Bewegungen unaufgeregt. Sänger Tom Smith scheint seinen Schmerz förmlich auf der Bühne auszuleben. Mit verzerrter Miene, starren eisblauen Augen, eindringlicher Stimme und wild pochender Ader auf der Stirn überzeugt er schon durch kleine Gesten. Smith verkörpert eine bittere, intensive Melancholie, die offenbar nicht jeder spürt. Aber das ist ja auch nicht das Schlechteste.

Video-Tipp: „Papillon“ von den Editors

Laura Behncke