Ein, zwei Takte genügen, um das Publikum in die atmosphärische Welt von Sigur Rós hineinzuziehen. Die Welt der Isländer ist voller ausufernder und detailverliebter Klänge: Der Keyboarder Kjartan Sveinsson wechselt zur Quer- und Blockflöte, Orri Pall Dyrason – sonst am Schlagzeug – greift zum Xylofon, Georg Holm spielt seinen Bass auch mal mit Drumsticks, und Gitarrist und Sänger Jón Thór Birgisson bearbeitet seine Gitarre gern mit dem Cellobogen. Als Gäste holen sich Sigur Rós das Streichquartett Amiina auf die Bühne, die von Leuchtkörpern illuminiert wird. Wie ihre Heimat Island, die Insel aus Feuer und Eis, sind auch Sigur Rós voller Gegensätze. Der zarte Bombast wird plötzlich zur dramaturgischen Stille. So überwältigt das Quartett sein stilles Publikum. Mit träumerischer Leichtigkeit singt Birgisson auf Isländisch und Hopeländisch, der melodischen Fantasiesprache der Band. Das klingt fremd und rätselhaft und im gleichen Atemzug so schön, dass man diesen Momenten lange nachhängen möchte.

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