Das üben wir noch mal. Bei ihrem ersten Deutschlandauftritt in einem kleinen Berliner Club präsentierte sich Elly Jackson alias La Roux als schüchternes Popsternchen: zugekniffene Augen, die Arme an den Körper gepresst, und wenn sie tanzte, dann mit dem Rücken zum Publikum. Lichtjahre entfernt von der Bühnenpräsenz ihrer Idole Annie Lennox oder Prince. Dabei wurde die Londonerin vom Publikum doch so herzlich empfangen. Der Großteil konnte ihre bis dato nur auf Myspace veröffentlichten Synthiepop-Songs mit massiven Achtziger-Jahre-Referenzen bereits mitsingen. Denn ihr Album ist wie ein großes, durchdachtes Zitatenlexikon der damaligen Tanzmusik. „Dass ich die Achtziger nicht selbst erlebt habe, macht sie umso interessanter für mich“, sagt die Londonerin. „Wenn ich in den Achtzigern gelebt hätte, würde ich bestimmt anders darüber denken, Schulterpolster zu tragen.“

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So aber trägt Elly Jackson zu den Polstern auch noch die passende Fönfrisur. Noch vor drei Jahren war sie das schüchterne, lang- und rothaarige Mädchen mit Akustikgitarre, das sich in der selbstmitleidigen Poesie von Folk und Blues suhlte. Doch die vom Vater vererbte Liebe zu Nick Drake und Neil Young erlosch im selben Maße, wie jene zu Tears For Fears, Erasure und Eurythmics wuchs. „Folk machte mich nicht mehr glücklich“, so Jackson. „Ich wollte nur noch Musik hören und spielen, die dafür sorgt, dass ich mich gut fühle.“ Der Gitarre blühte das Schicksal der Blümchen und Schlaghosen: Sie wurde ersetzt – durch den Synthesizer. „Ich behaupte ja nicht, dass die Beschreibung Eighties-Electropop es nicht trifft. Aber ich will mehr sein als eine weitere Revival-Künstlerin. Unsere Musik ist modern und anspruchsvoll, keine Parodie. Einfach Pop.“ Das Mitsingen ist dann auch nicht schwer bei Melodien, die ins Ohr gehen, als hätte man sie mit einer Tube Gel geschmiert. Also hingehen, jubeln, tanzen, singen. Damit die Dame endlich auftaut.