Verlassene Lagerhallen. Köpfe nicken unter tief ins Gesicht gezogenen Kapuzenpullis, Münder blasen Marihuana-Qualm in die Luft. Baggy-Hosen flattern über dünnen Beinen im Beat aus den Bassboxen. So ging es bislang bei jedem Dubstep-Konzert zu. Doch die Zeiten, in denen die ein geschworene, meist männliche Fangemeinde den neuen UKBass- Sound priesterlich feiert, sind Geschichte. Stattdessen sind die Tage des sogenannten Post- Dub step angebrochen, und Künstler wie James Blake oder Jamie xx machen den Sound von einst mit einer Prise Pop einem größeren Publikum zugänglich. Mittendrin das Londoner Duo Mount Kimbie, das maßgeblich daran beteiligt ist, das junge Clubsoundgenre einer breiten Hörerschaft zu öffnen.

Als Kai Campos und Dominic Maker 2009 ihr Debüt „Maybes“ veröffentlichten, klang ihr Mix aus UK-Garage, Postrock, Ambient, Folk, HipHop und R&B erfrischend neu. Mit dem Album „Crooks & Lovers“ gelang ihnen dann 2010 mit viel Popcharme und jeder Menge Ohrensessel- Atmosphäre eine Platte, die dank ihrer Vielschichtigkeit auch Indierocker und HipHopper packte. Nachdem sie bis vor Kurzem mit dem Dubstep-Senkrechtstarter James Blake als drittes Bandmitglied auf Tour waren, stellen sie nun ihre Popbassgewitter mit neuer Besetzung vor.

Von elektronischer Knöpfchendreherei sind ihre Shows weit entfernt. Mit Gitarre, Trompete, Schlagzeug und diversen digitalen und analogen Geräten schichten sie ihren schwebenden, von dezenten Kickdrums angetriebenen Sound zu einem hymnischen Energiefeld auf, das zwischen Ruhe und Eruption balanciert. Die Bässe beben dabei wie schon immer im Dubstep. Nur stehen diesmal auch Mädels in ihrem Windkanal, summen die souligen Gesangsschnipsel nach und gehen mit den beiden sympathischen Briten auf eine urbane Klangentdeckungsreise.

Video-Tipp: „Would Know“ von Mount Kimbie