Müsste man die Musik von Orka in einem Bild einfangen, würde am Ende wohl ein Elektro-Wald samt unter Strom gesetzter Flora und Fauna und wütenden, axtschwingenden Wikingern dabei herauskommen. So ein bisschen passt diese Szene auch zur Heimat des Quintetts von den Färöer Inseln. Und obwohl ihr Sound anderes vermuten lässt, haben Orka nichts mit dem gleichnamigen Wal zu tun, ihr Name ist einfach die isländische Bedeutung von „Kraft“. Passt ja auch irgendwie, denn dass diese eigenartige Symbiose aus zarten Klängen und krassen Klangwänden nicht aus einfachen und normalen Instrumenten kommt, verwundert nicht wirklich. Statt Bassgitarre und Schießbude nur selbst zu spielen, bauen die Improvisationskünstler sie gleich selbst und können so auf der Bühne auf Schleifmaschine, Zaunlatte und Ölfass zurückgreifen. Zusammen mit Yann Tiersen, den meisten wohl als Soundtrack-Komponist von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Good Bye, Lenin!“ bekannt, ergibt sich daraus ein ganz besonderes audiovisuelles Erlebnis. Schließlich hat Tiersen mehr Qualitäten als nur in einem schalldichten Studio zu sitzen und zauberhafte Melodien zu entwickeln. In seiner Heimat Frankreich glänzt der Multi- Instrumentalist durch beeindruckende Bühnenshows, bei denen er unter anderem Gitarre, Klavier und Geige miteinander kombiniert. Wer also eine orchestrale und fulminante Filmmusik erwartet, muss sich darauf gefasst machen, bei diesem Konzert zumindest von Yann Tiersen etwas enttäuscht zu werden. Für die entsprechende Entschädigung sollte dann jedoch das Können der fünf Jungs von Orka sorgen, welche im Zusammenspiel mit Tiersen auch optisch etwas auf die Bühne zaubern. Freuen darf sich der Besucher auf eine melancholisch- aufregende und mitreißende Mischung aus Folk, Indie und Rockmusik. Und vielleicht ist dann auch der ein oder andere Wikinger dabei.