Es gibt nur wenige Künstler, die einen britischen Rockfan so emotionalisieren können wie Paul Weller. Und soviele radikale Kurswechsel hinter sich haben. Mit The Jam schuf er die alternative Supergroup der Punk-Ära, hatte mehr Singles in den Charts als die Beatles und war das Working Class-Gewissen einer ganzen Generation. Um dann auf dem Höhepunkt des Erfolges als manierierter Dandy mit Style Council geschmackvoll-kitschigen Popjazz zu fabrizieren. Kaum einer seiner Fans hat das verstanden, viele tragen ihm die Phase noch heute nach. Erst weit in seinen Dreißigern, da wo andere bereits altersmilde werden, kehrte Weller mit fulminanten Songwriter-Rockalben zurück und wurde eine zentrale, geradezu kultisch verehrte Vaterfigur des britischen Pop. Der „Modfather“ gilt als wichtige Schlüsselfigur im Britpop- Hype der frühen Neunziger, spielte Gitarre bei etlichen Hits, etwa von Oasis („Champagne Supernova“) und Ocean Colour Scene. Musikalisch scheint er gerade erst seine Fähigkeiten zu entdecken, Ex-Blur Gitarrist Graham Coxon, mit dem er jüngst die Single „This Old Town“ aufnahm, nannte ihn „einen schockierend großen Sänger und Musiker“.

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