Hübsch oder hässlich? Eine Frage, mit der sich die Jungs von Hollywood Undead nicht beschäftigen wollen. Warum auch? Ihre ungewöhnlichen Masken wurden im Schnellschussverfahren zum Markenzeichen. Aber nicht, weil sie ungemein auf Karnevalskapellen und Horrormasken-Grufties wie Slipknot oder Lordi stehen. Nein, es gab einfach keine guten Fotos von ihnen. Kurzerhand wurden Hockeymasken ins rechte Licht gesetzt, knipps und fertig ist ein Gag, der sich schneller verselbstständigt als Lily Allen „Fuck“ schreien kann. Aus einer absurden Idee Gold zu machen ist selbst für Hartgesottene Freaks wie Charlie Scene, Johnny 3 Tears, J-Dog, Da Kurlzz, Deuce und Funny ungewohnt. Ihre Musik zwischen Todesmetall und Rapcore entstand ebenso spontan. Eine Festplatte voll mit Tracks und ein paar Wochen Schraddeln im Keller reichten aus, um Millionen Mysapce-Nutzer mit dem Song „The Kids“ zu infiltrieren.

Wer jedoch an klassische College-Jungs-machen-Schöne-Welt-Musik-Story denkt, liegt völlig falsch. Denn Hollywood Undead sind die Reinkarnation der bösartigen Jackass-Truppe, nur eben als Band: energisch, direkt, grenzüberschreitend, dreckig, obszön. „Wir sprechen das aus, was viele Leute nur denken, sich aber nicht zu sagen trauen. Deshalb machen wir auch keine schwülstigen Liebeslieder“, so Hollywood Undead. Die 14 Songs des Debüts „Swan Songs“ klingen wie ein Soundtrack aus der Hölle. Amazon und Co. verkaufen vorsichtshalber eine „Clean-Version“ des Albums. Sittenwächter möchte man ja schließlich nicht provozieren. Die sechs Jungs aber genauso wenig. Ihre Rache wäre sicher ganz und gar nicht Hollywood-Like.
Anja Greszik

Video-Tipp: „Everywhere I Go“ von Hollywood Undead