Falls J Mascis ein Roboter ist, was durchaus sein kann, dann hat er zwei Einstellungen: „Gitarre spielen“ und „alles andere“. Letztere wird aktiviert, sobald der Kopf von Dinosaur Jr. die Bühne verlässt. Dann ist er ein grauhaariger, schlurfender Truckertyp, für den der Begriff „Phlegma“ erfunden wurde. Aber wehe, man gibt ihm eine Gitarre in die Hand. Dann erklingen Sounds, die von den äußeren Ringen des Saturns stammen könnten, dann konzentriert sich die ganze Körperenergie dieses Mannes in seinen Fingern. Dabei ist Mascis kein Gitarrensportler, der komplizierte Grifffolgen zum Selbstzweck spielt. Es geht bei ihm um die Songs. Selbst unter dem bizarrsten Geschrammel liegt bei Dinosaur Jr. noch eine Melodie. So war das schon 1984, als die Band begann, mit verzerrten Gitarrenklängen gegen den Synthiepop der Zeit anzuspielen.

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Gemeinsam mit Bands wie den Pixies ebneten sie den Weg für Grunge. Bald darauf zerbrachen sie allerdings an der Hassliebe zwischen Mascis und Bassist Lou Barlow. Beschimpfungen auf der Bühne waren die Regel, Ohrfeigen kamen vor. Ein zerstrittenes Duo, wie so viele in der Rockgeschichte. Am Ende stieg Barlow aus und hielt fest: „J ist wirklich talentiert, aber ein unerträgliches Arschloch.“ Eine Wiedervereinigung traute dieser Band niemand zu. Und doch spielen die Mitglieder seit 2005 wieder zusammen in der schönsten Zweckgemeinschaft der Rockwelt. Mit den Platten „Beyond“ und „Farm“ konnten sie sogar den Sound reanimieren, der sie berühmt gemacht hat: Melodien kurz vor dem Kentern, unter Schichten von schrägem Slacker-Rock. Krachkoma. Und über allem die nölige Stimme von J Mascis.