Seit den frühen Achtzigern sind The Sisters Of Mercy auf eine düstere, psychedelische Spielart von Rock spezialisiert, deren Ursprung in der Gothic-Jugendkultur liegt. Heute will Andrew Eldritch, Sänger und neben dem Drumcomputer Doktor Avanlanche einzig verbliebenes Original-Mitglied, mit dem Begriff Gothic allerdings nicht mehr in Verbindung gebracht werden. „Wir sind eine Rock’n’Roll-Band. Und eine Popband. Und eine Industrial-Groovemaschine“, definiert er The Sisters Of Mercy. Dass die Band seit 1993 offiziell keinen neuen Song veröffentlicht hat, hindert Eldritch, seinen Rhythmus-Roboter und eine wechselnde Leihmusikerbesetzung nicht daran, regelmäßig auf Tour zu gehen.

Eine Hand voll Hits wie „Temple Of Love“ oder „This Corrosion“ garantieren dem stets eine dunkle Sonnenbrille tragenden Briten bis heute ausverkaufte Hallen. Sie sind gefüllt mit Menschen, die die Band liebevoll als „Sisters“ bezeichnen, und für die Schwarz keine Farbe, sondern eine Lebenseinstellung ist. Dass der Sound ihrer Helden heute mehr in Richtung Metal tendiert, stört sie nicht weiter. Schließlich fügt das Quartett mit der härteren Gangart dem meist bekannten und nur gelegentlich mit neuen Songs bestückten Repertoire eine deftige Note hinzu, die den Konzerten gut tut. Dass Frontmann Eldritch nicht länger den unnahbaren Waver spielt, sondern vor hochtourig laufenden Nebelmaschinen mit Rockstargesten das Publikum animiert, beschert den Shows Entertainerqualitäten. Nein, antiquiert sind The Sisters Of Mercy mit Sicherheit nicht. Stattdessen feiert das Publikum eine Band, die bis heute zu Recht vom Ruhm ihrer zeitlosen Gothic-Rock-Hits lebt.

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