Es liegt in der Natur einer Chanson-Sängerin, dass sie mit den Momenten der Verführung, Naivität oder Unschuld kokettiert. Manchen Zuhörer macht das zarte Hauchen und Säuseln, diese ständig mitschwingende Erotik der französischen Sprache aber auch so wuschig, dass er es als subtile Aufforderung zum Beischlaf interpretiert. Coralie Clément ist allerdings mehr schmuddelige Lolita in Secondhand-Klamotten als kühle Femme fatale: Ihr aktuelles Album hat sie nur mit Instrumenten aus einem Spielzeugladen aufgenommen, gespielt hat sie ihr großer Bruder, der Benjamin Biolay heißt und seit zehn Jahren die schwere Last auf seinen Schultern trägt, der neue Serge Gainsbourg sein zu müssen.

Video-Tipp: „C’est la vie“ von Coralie Clément

Nun verströmen die Konzerte der beiden Geschwister nicht unbedingt die Unbekümmertheit eines Kindergeburtstags, doch ein Hauch von Kita-Flair kommt durchaus auf, wenn sich die erwachsenen Bandmitglieder an der Taschentrompete, Plastiktröte, Ukulele oder Melodica versuchen. Das erinnert in der minimalistischen Spielart von Clément und Biolay an Manu Chao und klingt weitaus professioneller als musikalische Früherziehung. Vor allem Coralie Cléments Timbre wirkt so spannend und unbeschwert zugleich wie der erste Besuch bei Toys R’Us. So arbeitet die Französin nicht nur mit dem branchenüblichen Reiz der eigenen Attraktivität, sondern gleichzeitig mit den schönen Erinnerungen an die eigene Kindheit und Momente des ersten musikalischen Ausprobierens zwischen Blockflöte und Klangholz. Ob im Spielzeugladen oder auf der Showbühne: Dieser jungen Frau und ihrem berühmten Bruder schaut man nur zu gerne beim Spielen zu.