Frauen können Kanzler werden, aber in der Welt des Rock’n’Roll herrschen immer noch die Männer: Phallussymbole und testosterongesteuerte Macho-Posen, wohin das Auge blickt. Von Gleichberechtigung keine Spur, den Damen werden die leichteren Pop-Gefilde überlassen – da können sie sich beim Pogen nicht die hübschen Kleider dreckig machen. Doch jetzt ist Schluss mit den Klischees. Die derzeit wohl coolste Inkarnation des Rock in Menschengestalt heißt nämlich Karen Orzolek, hauptberuflich Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs und ganz nebenbei New Yorker Fashion-Ikone. Ihre außergewöhnlichen Modekreationen, bei deren schillerndem Anblick Gwen Stefani wahrscheinlich regelmäßig vor Neid ganz blass um die Nase wird, bezieht die 30-Jährige von der Designerin Christiane Joy, die Karen Orzolek die Kleiderkunstwerke exklusiv auf den Leib schneidert.

Video-Tipp: „Zero“ von den Yeah Yeah Yeahs

Der Chic muss einiges aushalten, wenn sich die Sängerin wie zuletzt auf der Bühne der Berliner Columbiahalle bis zur Ekstase in die mal schrammeligen, mal experimentellen Art-Punk-Klänge ihrer Bandkollegen hineinsteigert. Singend, schreiend und zappelnd manövriert sich O durch Songs wie „Date With The Night“, „Zero“ oder „Show Your Bones“, während es Lametta und Konfetti von der Decke regnet. Würde man die feiernden Fans durch das riesige Auge betrachten, das die Bühne der „It’s Blitz“-Tour schmückt, man würde nur in glücklich strahlende Gesichter blicken. Miss O stört sich derweil anscheinend nicht daran, dass sie ihre edlen Designerstücke durchschwitzt. Auch nicht daran, dass sie beim wilden Tanzen der versammelten Fanschar ab und zu unabsichtlich ihren Schlüpfer präsentiert. Die Dame ist eben Rock’n’Roll.