Früher war HipHop noch anspruchsvoll und gefährlich. Public Enemy waren politisch von der Nase bis ins Bein, N.W.A. nahmen den Soundtrack für die Unruhen in Los Angeles vorweg, Biggie und 2Pac hassten sich heftig, Eminem beging mit seinen Worten Massenmord. In den letzten Jahren wurde HipHop immer anspruchsloser und ungefährlicher. Sieht man vom unbeständigen Lil‘ Wayne, Blockbuster Kanye West und dem erstaunlich gut alternden Jay-Z ab, begaben sich die US-Protagonisten immer mehr auf Nanaund Pappa-Bear-Niveau. Als Odd Future Wolf Gang Kill Them All aus Los Angeles im letzten Jahr ihren Siegeszug starteten, stießen sie in der Szene also auf ausgehungerte, dankbare Ohren. Die Crew bastelt aus den Eckpfeilern der HipHop- Historie einen aufregenden Remix: Knochentrockener Ostküsten-Realismus, lässiger Westküsten-Flair, die Gang-Mentalität des Wu- Tang Clan, groteske Gewaltfantasien – bei OFWGKTA kommt alles zusammen, was den Puls frustrierter Teenager rasen lässt. Auf der Bühne entfalten die düsterspartanischen Beats von Produzentin und DJ-Dame Syd ihren ganz besonderen Reiz im Zusammenspiel mit Crew-Kopf Tyler The Creator, der mit eindrucksvoll abgeklärtem Vortrag glänzt. Die Kids brüllen lauthals „Kill people, burn shit, fuck school“, bis die Atmosphäre vor Intensität eskaliert. Und die Gang? Rollt auf Skateboards von dannen. HipHop ist endgültig im neuen Jahrtausend angekommen.