„Im a Firestarter, twisted Firestarter“, grölten 1996 nicht nur Hardcore-Technofans, sondern auch Metal-Anhänger, und genau das macht The Prodigy seit ihrer Bandgründung 1990 aus. Zu einer Zeit, in der Dancekünstler kaum in Plattenregalen zu finden sind, liefern Liam Howlett, Leeroy Thornhill (bis 2000), Keith Flint (ja, der wahnsinnige Clown) und DJ Maxim den Soundtrack zur Acid- und Rave-Hochzeit. Sie waren mit die ersten, die elektronische Musik auf Konzertbühnen brachten. Sie sind das Wunschkind für Electro-Fans, die mehr wollen, als einem DJ beim Auflegen zuzuschauen. Gitarrenriffs mischen sie mit Breakbeats, Acid House paart sich bei ihnen mit Sprechgesang. Spätestens mit ihrem dritten Album wird aus dem britischen Breakbeat-Trend eine unaufhaltbare Massenbewegung: „The Fat Of The Land“ ist das meistverkaufte Album des Jahres, Platz eins in 27 Ländern und weltweit mit Mehrfach-Platin ausgezeichnet; ein unglaubliches Tourpensum inklusive – und das angeblich, ohne jemals geprobt zu haben. Die Auftritte bei Glastonbury und vielen anderen Festivals, vor allem aber das legendäre Konzert auf dem Roten Platz in Moskau vor 250 000 Menschen beweisen, dass eben nicht nur Rockbands Headliner auf den großen Bühnen sein müssen.

Video-Tipp: „Invaders Must Die“ von The Prodigy

Doch der Ruhm hat auch Schattenseiten: Im Jahr 2000 verlässt Thornhill die „Wunderkinder“. DJ Maxim und Flint nehmen wenig später eine Auszeit. Vielleicht sind sie genervt vom ständigen Gelaber über Schockvideos, Piercings und gelbe Iros – die Flint übrigens heute noch trägt. Alben erscheinen nur noch mit Howlett. Der holt sich dafür prominente Unterstützung von Liam Gallagher, Juliette Lewis oder Princess Superstar. Fünf Jahre dauert es, bis The Prodigy sich wieder zusammenfinden und 2009 mit „Invaders Must Die“ ihr bis dato bestes Werk veröffentlichen. Die wiedererstarkte Energie setzen sie auch live geballt um. Mit dem Donnergrollen der Bassboxen und den raubeinigen Performances von Keith „Firestarter“ Flint und Maxim Reality haben ihre Konzerte nach wie vor die Faszination eines elektrisierenden Voodoo- Rituals, bei dem sich das Publikum im Rausch verliert. Revolutionen sind schwer zu wiederholen, aber ihre Tour wird ein neuer Anfang sein.
Jannes Vahl