Synthie-Pop-Duo? Live sind Erasure eher eine One-Man-Show. Während Songwriter Vince Clarke meist steif wie seine eigene Pappfigur hinter dem Keyboard steht, zappelt Sänger Andy Bell wie eine Tüte beschwipster Mücken: Unermüdlich tänzelt der exzentrische Brite im Glitzeroutfit über die Bühne wie eine Ballerina über den Schwebebalken und dreht Pirouetten, als hätte er Hummeln im muskulösen Hintern. Seit mehr als 25 Jahren und vierzehn Alben balancieren Erasure schon auf dem schmalen Grad zwischen Schlagerkitsch und großem Pop, den Epigonen wie Hurts gerade erst betreten haben. Spätestens bei Klassikern wie „Oh L’Amour“, „A Little Respect“ und „Always“ liegen sich Drag-Queens und blasse Normalos im Publikum trällernd in den Armen.

Video-Tipp: „Always“ von Erasure