Er ist schwer zu beschreiben. Man muss ihn erleben: Ein baumlanger, korpulenter Kerl in einer Römertoga, die schwarzen Haare stehen wirr vom Kopf, der Lippenstift ist verschmiert, die Augen mit einer Überdosis Kajal betont. So schreitet Antony Hegarty auf die Bühne, steht mal komplett im Dunkeln oder im gleißenden Licht eines einzigen Spots, singt mit Engelsstimme und tänzelt vor sich hin. Er inszeniert sich, wirkt entrückt. „Wahrscheinlich sieht es ziemlich tollpatschig aus, ich wirke ein bisschen unbeholfen“, sagt der 37-jährige New Yorker. „Was daran liegt, dass ich kein geschulter Performer bin. Ich lasse mich von Butoh inspirieren, einer postmodernen japanischen Tanzform, wo der Künstler einen Stein, einen Baum und andere Dinge aus der Natur darstellt.“

Video-Tipp: „If It Be Your Will (Live)“ von Antony Hegarty

Wobei Antony Hegarty eher an einen Bären erinnert, der sich zu den sphärischen, stimmungsvollen Klängen eines Orchesters rekelt. Das umfasste auf seiner jüngsten Tour im Herbst bis zu 60 Musiker von internationalen Spitzen-Ensembles, die sein Freund und Arrangeur Nico Muhly dirigierte. „Wir können es uns leider nicht leisten, ein eigenes Orchester zusammenzustellen. Deshalb engagieren wir immer Musiker vor Ort und haben nur zwei Proben vor jeder Show.“ Ein Handicap, das er durch die Wahl der Auftrittsorte ausgleicht. Antony bittet nicht etwa in verrauchte Clubs oder keimfreie Sport- und Mehrzweckhallen, sondern in klassische Konzerthäuser wie das Apollo Theater in Harlem, das Barbican in London oder die Alte Oper in Frankfurt. Das hat zu viel Stil, um Pop zu sein, aber auch zu viel Harmonie, um als Avantgarde durchzugehen. Eine Misere, die sich wunderbar anhört.