Meine Liebe gilt der Musik für Sonntagnachmittage. Sonntags, kurz vor der Dämmerung, draußen rieselt noch etwas Restregen, die Zeit zwischen gelungenem Wochenende und erstem Arbeitstag, vielleicht selig von genau der richtigen Menge Restalkohol, da sind die vier Schotten am besten: Sie lösen Glücksgefühle aus, genau wie damals auf dem Rock am Ring 2001, als ich „Sing“ zum ersten Mal live gehört habe. Oder Regen, wie 1999 in Glastonbury, als es pünklich zu „Why Does It Always Rain On Me?“ zu regnen anfing. Oder sie machen traurig, wie mit „One Night“, zu dem ich drei Wochen lang um meine Freundin geweint habe. Bei „Why Does It Always Rain On Me?“ muss ich immer an das Konzert im Hamburger Docks denken, wo das Lied die letzte Zugabe war – um 20.45 Uhr. Ich kam gerade mit einem kalten Bier in den Club, und der Kartenabreißer hatte mich schon so komisch mitleidig angeschaut – das Konzert hatte bereits um 19 Uhr begonnen. Ein verdammtes Frühkonzert!

Travis sind also verantwortlich für eine große Liebe in meinem Leben. Travis sind ziemlich sicher verantwortlich für viele große Lieben von Paaren, die sich bei „Closer“ zum ersten Mal geküsst haben, die das Album „The Invisible Band“ auf Repeat zum Sex laufen ließen oder die live bei „Side“ zum ersten Mal Händchen hielten. In erster Linie sind Travis aber eine unglaublich gute Liveband, ob sie nun warmherzigen Rock machen oder melancholischen Pop: Fran Healy und seine stillen Freunde berühren mit ihren Liedern. Übrigens auch Chris Martin, der sagt, dass es Coldplay ohne Travis wohl gar nicht geben würde. Schade, dass Travis mittlerweile so beliebt sind, dass es nicht reicht, nur sonntags live zu spielen.
Jannes Vahl

Video-Tipp: „Song to Self“ von Travis