Plötzlich wird Marc Almond sehr ernst: „Ich werde Hits singen. Ich muss erst mal sehen, ob ich noch Fans habe, denn ich habe lange nicht mehr gespielt. “ Erstmals seit zehn Jahren tourt der heute 51-Jährige wieder solo. Endlich ist er wieder in der Lage dazu. Almond war ganz unten – aber schon immer ein Kämpfer. Mehrere Überdosen Heroin überlebte er ebenso wie Mordversuche zwielichtiger Gestalten und aggressiver Schwulenhasser. Dann der schwere Motorradunfall vor knapp fünf Jahren. Seine Karriere schien für immer beendet. „Ich brauchte lange, um wieder an mich zu glauben, denn meine Stimme war erloschen“, sagt Almond. „Ich musste sie durch harte Arbeit zurückholen.“ Dass seine Stimme, die einzige Konstante seiner Karriere, wiederhergestellt ist, zeigte der Geläuterte im letzten Jahr mit dem Album „Stardom Road“, auch wenn die Lieder es nicht mit seinen Soft-Cell-Hits wie „Tainted Love“ aufnehmen können.

Die Rückkehr auf die Bühne hat Almond nicht zuletzt Antony Hegarty zu verdanken. Der transsexuelle Sänger war es, der den Achtziger-Popstar wieder ins Scheinwerferlicht holte. Bei einem seiner Konzerte bat er Almond mit den Worten „hier steht der Künstler, ohne den ich nichts wäre“ auf die Bühne. Offene Arztrechnungen spielen sicher auch eine Rolle. In die Jahre gekommen wirkt der Londoner nicht. Vielmehr haben ihn die Narben seines ausschweifenden Lebens zu einem Pop-Entertainer reifen lassen, der mit glamourösen Gesten Lieder über Matrosen, leichte Mädchen, sonderbare Außenseiter und Geiseln der Nacht interpretiert. Wie schön, ihn noch mal erhobenen Haupts erleben zu dürfen.

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