„Die Liebe, wie ich sie kenne, ist eine Angelegenheit für einen Tag. Und am nächsten Tag ist diese Angelegenheit vorbei.“ Im französischen Original klingen diese Sätze, zitiert aus dem Lied „L’affaire d’un jour“, düster und sehnsuchtsvoll zugleich. Wenn Françoiz Breut sie live mit emotionaler Stimme singt, schwingt eine unerschrockene Haltung mit. Viel scheint passiert zu sein in ihrer Profilfindung, denn Madame Breut hat für ihr aktuelles Album „A l’aveuglette“ erstmals auf die Hilfe professioneller Poeten verzichtet und ihre Texte selbst geschrieben. Dieses gewachsene Selbstbewusstsein ist zu spüren.

Auch die Musik, durch die Gitarre und Vibrafon sich wie ein roter Faden ziehen, ergibt stilistisch ein stimmiges Bild: Der düstere Chanson-Folk und die vielen kurzen Klangeinlagen zwischen den Songs bilden ein harmonisches Ganzes. Wenn Françoiz Breut nun mit Marianne Dissard, ihrer Schwester im Geiste, auf Tour geht, passt alles – bis auf das Tourmotto. „Le Pop – Les Filles“ lautet es, nach dem dazugehörigen Sampler, der ein Querschnitt durch aktuelle weibliche französische Musik ist und der frankophilen „Le Pop“-Serie entstammt.

Pardon, Pop? Die beiden Damen sind Nick Cave und Calexico jedenfalls näher als Alizee oder France Gall. Und zum Begriff „filles“, egal, ob Mädchen oder Töchter gemeint sind: Françoiz, die in ihrer Heimat Frankreich bereits „La Breut“ genannt wird, und Marianne werden in diesem Jahr 40. Sie leben ihr Künstlerleben autark. Von klein und niedlich sind sie Jahrzehnte entfernt. Da wäre doch, wenn schon nur die Frauen zu Wort kommen sollen, ein ihrer Weiblichkeit entsprechendes Motto angemessener.