Was erhebt diese junge Dame über die meisten ihrer Folk-Kollegen? In der heutigen Zeit, in der sich jeder Pausenclown Singer/Songwriter schimpfen darf und man fast vergessen hat, dass eine Ballade mehr mit Chopin als mit James Blunt gemein haben sollte, bittet Marissa Nadler zum Appell. Kann sie auch, schließlich sind ihre Songs der Tradition ihres Genres verpflichtet und vermengen zudem mühelos mystische Sixties-Einflüsse mit psychedelischen Folk-Referenzen der Neuzeit. Düster und unwirklich sind sie, erzählen von Geistern und Liebenden, Toten und Sterbenden. Geschickt balanciert Nadler in ihren Geschichten zwischen dieser Welt und der nächsten. Ganz schmerzfrei kommt man hier nicht davon. Aber weil diese Songs ja vielleicht wirklich heilen, legt man sich bei ihr gern unters Messer.

Video-Tipp: „Mexican Summer“ von Marissa Nadler