Eine Collage unterliegt einer eigenen Ästhetik. Der Reiz liegt nicht in der perfekten Fügung der Elemente, sondern in der Sichtbarkeit des Zusammengestellten, den überlappenden Kanten, den offensichtlichen Schnittstellen der Einzelelemente. Andy Butler, Kopf der musikalischen Formation Hercules And Love Affair, ist ein Meister der Collage. Seit seiner Jugend sammelt er Versatzstücke, die er heute immer wieder meisterhaft neu zusammensetzt. Er selbst schreibt seine Inspirationen der Queer-Community zu, die ihm die Augen für die Meister dieser Arbeitsweise öffnete: den Regisseur John Waters, verschiedene Pop-Art- Künstler und musikalische Vorbilder wie Kraftwerk.

Auf Grundlage dieser Arbeitstechnik veröffentlichte Andy Butler mit seinen Mitstreitern vor drei Jahren das Debütalbum von Hercules And Love Affair. Es prägte zugegebenermaßen keinen grundsätzlich neuen Stil, klang aber mit seinem Flickwerk aus Chicago House, Disco und der unverkennbaren Stimme von Antony Hegarty, gegenwärtig aktiv als Antony And The Johnsons, ungeheuer innovativ.

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Die Mitglieder verließen nach und nach die Band, Andy Butler fing an zu basteln. Über die Jahre scharte er Künstler um sich, die heute das Projekt einmalig machen. Die Stimme kommt von der transsexuellen venezolanischen Operndiva Aerea Negrot, dem Chicago-House-verhafteten Shaun J. Wright und der langjährigen Begleiterin und musikalischen Seelenverwandten von Butler, Kim Ann Foxman. Neuer Co-Produzent ist der Gründer der radikalen Aktivistenband Cosolidated, Mark Pistel. Wer dabei einen ungeheuer breit gestreuten Stilmix auf der Bühne erwartet, liegt richtig. Verschiedene Einflüsse prallen aufeinander, existieren nebeneinander, schaffen interessante Kontraste. Andy Butler gelingt es trotzdem, alles zu einen – wie in einer perfekten Collage.