Seit einiger Zeit ist bekannt, dass der der feinsinnigste Pop dieser Tage aus Kanada kommt. Montreal bildet dabei so etwas wie den Think Tank der Musiker. Irgendwo in dieser kreativen Ursuppe ist vor kurzem Caroline Keating mit ihrem Klavier aufgetaucht. Ihre mal sanft, mal stakkatohaft kräftig getupften Popsongs wirken wie Skizzen einer genialen Zeichnerin. Unter der Oberfläche des Schemenhaften und der Improvisierlust finden sich perfekt inszenierte und komponierte Popperlen, die von Keating mit einem leidenschaftlichen, glucksenden und quietschenden Sopran interpretiert werden. Ihr gelingt es, mit wenig Mitteln eine Spannung aufzubauen, die sich auf der Bühne zu einer fast greifbaren Präsenz verdichtet. Ständig will man das, was man da hört, anfassen, so wunderschön ist das.