Weil Bescheidenheit in der Geschichte der Rockmusik noch nie eine weit verbreitete Tugend war, nutzte auch Brandon Flowers bislang jede Möglichkeit, die Göttlichkeit seiner Band zu preisen. Brachte es der Sänger der Killers vor zwei Jahren noch fertig, das eigene Album „Sam’s Town“ zur „besten Platte der letzten 20 Jahre“ hochzujubeln, hörte man ihn vor kurzem Ähnliches zu Protokoll geben: Mit der Veröffentlichung von „Day&Age“ wolle man die Beatles „endlich vergessen machen“. Hah, diese Band hat noch Ambitionen!

Musik-Traditionalisten mögen Flowers für sein Geprahle gerne ohrfeigen, andere wiederum schätzen das freche Mundwerk, denn dahinter verbirgt sich nicht nur Talent, sondern auch Können. Klangen die Killers zuletzt noch wie eine Meat-Loaf-Coverband, lassen sie mittlerweile davon ab, ihre einstigen musikalischen Idole überdeutlich zu zitieren. Ähnlich wie Coldplay haben sie sich mit dem konfektionierten Sound des alternativen Radiopop sowie Synth-Rock arrangiert und gehen dabei mit dem gleichem künstlerischem Anspruch ans Werk, der den Spagat zwischen simpler Klaviermelodie und krachigen Gitarren-Dissonanzen provoziert, ohne so wissenschaftlich und kopflastig wie Radiohead zu klingen.

Die Killers erlauben sich sogar peinliche Quatsch-Kollaborationen – mit Elton John nahmen sie jüngst eine Weihnachtssingle auf, die nicht einmal ihre Fans verschreckt hat. Die wissen insgeheim auch, dass Brandon Flowers nicht der neue John Lennon oder Paul McCartney ist, auch wenn manch britische Zeitung das behauptet. So lange die Killers weiterhin so wunderbar pompöse Bombastsongs schreiben, sollte man ihre Allmachtsfantasien ruhig dulden.

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