Mikrofonständer, fürchtet euch wieder davor, von Beth Gibbons beim Singen verbogen zu werden! Denn Portishead sind nach fast zehn Jahren zurück und nicht eine Schippe besser gelaunt als bei ihrem Debüt „Dummy“ 1994. Damals suhlte sich die Grunge-Welt noch im bestens choreografierten Leid, als plötzlich Portishead kamen und den Einsatz verdoppelten. Beth Gibbons, Adrian Utley und Geoff Barrow machten die Tür auf, ließen das reale Unheil der Welt herein und boten ihm auch noch einem Sitzplatz an.

Die tiefe Trauer, die entschleunigten Beats, die wehmütigen Melodien und die fundierte Miesepeterei machen noch heute im Handumdrehen aus Frohnaturen hadernde Existenzialisten. Das Gute daran: Beim Konzert wird die Band aus Bristol noch gemeiner. Mit unglaublicher Leidenschaft singt Gibbons mit geschlossenen Augen Zeilen, die man förmlich greifen kann, während der Rest der Band doch tatsächlich den Anschein zu erwecken versucht, er würde da einfach nur Musik spielen. Doch jeder weiß: Das ist vollendete Schönheit.

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