Es ist vorbei. Die Spaßgeneration ist am Ende. Studentenmagazine diskutieren über Soll und Haben, das Privatfernsehen sucht den Superpraktikanten. Genau zur richtigen Zeit veröffentlichten die Pet Shop Boys ihr neues Album, sind sie doch seit jeher feinsinnig-ironische Chronisten ihrer Zeit. Auf dem Cover: nur ein Haken, zusammengesetzt aus bunten Quadraten, inspiriert von dem Fenster, das der Maler Gerhard Richter für den Kölner Dom schuf. Und dazu nur drei Buchstaben: „Yes“ heißt das inzwischen zehnte Werk des britischen Duos – und Pop ist sein Auftrag. Pop nahe der Perfektion, mit den Pet-Shop-Boys-typischen Brüchen. Die erste Single heißt „Love, etc.“ und Neil Tennant singt den Querverweis aufs Cover: „You need more than the Gerhard Richter hanging on your wall.“ Egal, wie viel man hat, egal, was für ein Auto man fährt: Am Ende geht es doch immer nur um die Liebe, von der man aber auch nie genug bekommen kann. Die Pet shop boys machen präzisen Pop und das in Perfektion, Sie mixen Kunst und Pop zur ganz großen Show. Am Ende zählt das Gesamtkunstwerk. „Yes“. Pop. Drei Buchstaben. Und ein Sound aus Hedonismus und Gesellschaftskritik, der niemals altert. Das versteht nicht jeder auf Anhieb. Aber es garantiert ein Konzerterlebnis wert, das lange nachwirkt.

Video-Tipp: „Love etc.“ von den Pet Shop Boys

Im Sommer überstrahlte die Vorfreude auf das Live-Comeback der Pet Shop Boys alles. Gespannt war man auf die musikalische und optische Umsetzung des neuen Albums „Yes“, das vielen zu Recht als ihr bestes seit „Bilingual“ gilt. Neil Tennant und Chris Lowe kündigten im Vorfeld sogar an, dem grassierenden Authentizitätswahn im Pop mit einer besonders kunstbeladenen Show entgegenzutreten. Eine Drohung? Nein, bei den Pet Shop Boys ist das ein Versprechen. Doch trotz großer Ambitionen ließ das Duo mit seinen Juni-Gigs auch ratlose Gesichter zurück: Nicht wenige Zuschauer monierten technische Fehler und eine übertrieben kühle Bühnenatmosphäre. Interessant, dass diese Kritik hauptsächlich von jungen Fans kam, die ihr erstes Pet-Shop-Boys- Konzert besuchten. Sie haben die Popkünstler eben (noch) nicht verstanden. In Anbetracht der immensen Licht-, Effekt- und Kostümshow waren die technischen Fehler, die von Tennant charmant überspielt wurden, kaum der Rede wert. Und nur Unwissende setzen die präzise Musikperformance des Duos mit emotionaler Kälte gleich. Für perfekten Pop stehen die Pet Shop Boys auch heute noch. Kenner und Genießer ihres Werkes finden nur euphorische Worte für eine Setlist, die außer den „Yes“-Songs einen Querschnitt durch zweieinhalb Dekaden glamouröser Pop-Perlen offenbart. Die meisten Fans, die das triumphale Finale aus den Klassikern „The Way It Used To Be“, „Being Boring“ und „West End Girls“ erleben durften, warten seit jenem Abend schon auf die Rückkehr der beiden. Zum Glück müssen sie sich diesmal nicht so lange gedulden.