Die drei norwegischen Smartboys von A-ha meinen es tatsächlich ernst. Ihre aktuelle Tour ist zugleich ihre letzte. Dabei sieht Frontmann Morten Harket noch immer so aus, als wäre er gerade erst mit perfekt gestylten Patrick- Swayze-Gedenk-Föhnlöckchen durchs Video zum ersten großen Hit „Take On Me“ gehetzt. Der Kerl ist kaum gealtert. Dennoch liegt das Ganze mittlerweile satte 25 Jahre zurück. A-ha gehören ohne Frage zu den großen Überlebenden der Achtziger. Zum skandinavischen Abziehbild der Rolling Stones will das Trio aber nicht verkommen.

Und so sagen die knabenhaften Synthiepopper von einst nun als immer noch recht fitte Endvierziger ihren Fans „Farvel“. Dass auf der Abschiedstour noch einmal alles geschmettert wird, was über die Jahre auch nur ansatzweise die vorderen Chartregionen zu Gesicht bekam, ist nur logisch. Man selbst heult im Refrain von „Cry Wolf“ ein letztes Mal sehnsüchtig mit. Hegt beim langgezogenen „Touch Me“ im Song „The Sun Always Shines On TV“ schlüpfrige Gedanken. Oder zückt bei „Hunting High And Low“ sein Feuerzeug. Allesamt Klassiker, die Fans prägten und andere große Bands von heute beeinflussten.

Coldplay beispielsweise machen keinen Hehl aus ihrem Faible für A-ha. Mehr noch: Coldplay-Bassist Guy Berryman spielt seit einiger Zeit mit A-ha-Keyboarder Magne Furuholmen in der Electropop- Band Apparatjik. Morten Harket nahm bereits 2008 ein Soloalbum auf. Und Pål Waaktaar-Savoy hat seine Familienband Savoy in der Hinterhand, in der er zusammen mit seiner Frau Lauren spielt. Für die Zeit nach A-ha haben die Mitglieder also vorgesorgt. Zunächst aber geht es noch ein letztes Mal um eleganten Pop mit viel Pathos, Kitsch und noch mehr Emotionen. Um eine schicke Lichtshow dank stattlicher LED-Wand auf der Bühne. Und um eine Band, die es leider schon bald nicht mehr geben wird.
André Depcke

Video-Tipp: „Forever Not Yours“ von A-ha