„Clean Version“ – was auf Rap-Platten der Hinweis für eine langweilige zensierte Version ist und daher „Finger weg!“ bedeutet, ist im Falle von Phoenix ein definitives Kaufargument. So clean, so präzise und aufgeräumt ist der Sound der vier Franzosen aus Versailles, man möchte eine mathematische Formel hinter ihren Kompositionen vermuten. Dass sie hervorragende Melodien schreiben, wissen Phoenix dabei selbst am besten – nicht umsonst haben sie ihr neues Album nach einem nicht eben unbekannten, ziemlich genialen Komponisten aus Wien benannt. Abgehoben sind sie deshalb trotzdem nicht: Die Band um die beiden Brüder Christian Mazzalai und Laurent Brancowitz tritt dem Publikum bei Livekonzerten stets mit ausgesuchter Freundlichkeit entgegen.

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Dass sie ihre Texte von Anfang an auf Englisch geschrieben haben, dürfte ein Grund für die hervorragenden Verkaufszahlen der Band auch in den USA sein – die Band brachte es mit „Wolfgang Amadeus Phoenix“ jüngst bis auf Platz 37 in den US-Charts, was für eine Indie-Band aus Frankreich eine kleine Sensation ist. Auf der Bühne ist es dagegen fast zweitrangig, in welcher Sprache Thomas Mars mit glockenheller Stimme seine Songs über Liebe und Leben, Jugend und Vergänglichkeit vorträgt. Denn hier verschmelzen die Texte mit der stets hervorragenden Lichtshow und dem Sound zu einem großen Ganzen. Tatsächlich gelingt Phoenix das Kunststück, die Präzision und die Aufgeräumtheit aus dem Studio ohne spürbaren Reibungsverlust auf die Bühne zu übertragen. Das ist sensationell – und unterscheidet sie ganz nebenbei von nahezu jedem Livekonzert einer beliebigen Rapband.
Nico Cramer