Guess what, I’m not a robot“, singt Marina Diamandis alias Marina And The Diamonds in der Single „I Am Not A Robot“, und da kann man nur zustimmen: Die 24-jährige Londonerin ist das pralle Leben. Das gilt für ihre Texte – offenherzig und packend erzählt Marina Geschichten, die irgendwo zwischen Alltagssorgen und blühender Glitzerfantasie angesiedelt sind. Das gilt auch für die Musik, die sich mit überschwänglichen Mini-Operetten, pumpenden Synthiepop-Tracks und sanften Pianoballaden angenehm vom Formatpop nach Schema F abheben.

Video-Tipp: „Hollywood“ von Marina And The Diamonds

Und es gilt ganz besonders für die Künstlerin selbst: Mit einem ausgeprägten Hang zum Theatralischen arbeitet sich die Universitäts- und Tanzschulabbrecherin durch die von ihr entworfenen Liederwelten, macht die Geschichte eines naiven polnischen Mädchens in der Glitzerwelt von Hollywood ebenso greifbar wie die Kämpfe mit den kleinen Dämonen des Beziehungsalltags. „I’m a troubled one and I won’t be forgiven / Guilty on the run and I know what I have done“, lässt Marina auf „Guilty“ durchblicken, dass sie bei all ihrem äußerlichen Glanz durchaus auch eine düstere Seite hat.

Überhaupt ist es diese Ambivalenz, die die Newcomerin so faszinierend macht: Sie trägt von der Mutter walisisches Blut in sich, vom Vater kommt der griechische Einfluss. Sie hat einen Hang zum Barocken, Altertümlich- Kitschigen, bezeichnet sich aber auch als tief geprägt von der amerikanischen Popkultur. Sie ist weiblich und sinnlich, wenn sie mit sonorer Stimme zum Singen anhebt, sprudelt aber auch vor Leichtigkeit und Jugendlichkeit, wenn sie zwischen den Songs aus dem Nähkästchen plaudert. Und Humor hat sie auch. Ein Roboter? Mitnichten!
Nico Cramer