Ein Mann wie ein Wasserfall: Würde man Schweiß als Gradmesser für Kreativität und Eifer nehmen, dann müsste Ben Gibbard einer der spannendsten Künstler der Welt sein. Wer jemals ein Konzert von Death Cab For Cutie besucht hat, staunt noch heute darüber, wie klitschnass der Sänger am Ende von der Bühne wankt, während die Roadies am Fuße des Mikroständers knien, im eifrigen Versuch, die Pfütze zu trocknen. Für eine gute Show gibt Gibbard wirklich alles.

Ihr Video „You Are A Tourist“ vermittelte bereits einen ersten Eindruck, wie die Band ihre Shows optisch umsetzen könnte. Flirrende Lichtschläuche ersetzen schwarze Gitarrenkabel, LED-Leuchten blinken nervös auf den Jacken der Band, und das Schlagzeug sieht aus wie ein bunter Flipper, während auf Leinwänden Farben explodieren, als wäre das Publikum im LSD-Rausch. Bei all der kunterbunten Lichterschau wird sogar der Herzschlag von Ben Gibbard mit knallroten Neonröhrchen visualisiert, die an sein linkes Revers geheftet sind und bedeutungsvoll signalisieren, woher die Songs der Band kommen: aus dem Tiefsten seines Herzens natürlich.

Bei so viel Romantik und Kitsch verwundert es kaum, dass Death Cab For Cutie vor drei Jahren den Titelsong zur Vampirschmonzette „New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde“ schrieben. Trotzdem widersteht die Band der Versuchung, kurze und schnelle Hits zu produzieren, was sie mit anderen künstlerisch anspruchsvollen Kollegen wie Arcade Fire oder Radiohead verbindet. Ob romantisch oder poetisch, auf der Bühne inszenieren Death Cab For Cutie ihre Songs zu epischen Kleinkunstwerken, während fluoreszierende Farben und Männerschweiß zur perfekten Symbiose werden. Man bekommt feuchte Handflächen vor Aufregung und Vorfreude auf dieses Erlebnis.

Video-Tipp: „You Are A Tourist“ von Death Cab For Cutie