Früher noch hätte Trent Reznor einen Hit wie „Hurt“ beim Konzert höchst selbst hingerichtet. Heute nimmt er das Kompliment an, das ihm Johnny Cashs Interpretation seines Liedes beschert hat. Er hat die Selbstzerstörung alter Tage in gesunde Bahnen gelenkt. Der psychotische Industrialrock der Kalifornier wirkt inzwischen fast unangenehm intim und gleichzeitig gefährlich – trotz aller Elektronik, den Videoinstallationen und der stilvollen Inszenierung. Von überzogener Gefühlsduselei fehlt jede Spur: Reznor ist eher wie ein erhabener Singer/Songwriter, der mit der Planierraupe durch die Halle fährt. Er brüllt, schreit, flüstert, flucht, singt und verbiegt dabei fast seinen Mikrofonständer. Ab und an wird er auch kurz lächeln, als ob er sagen wolle: „Schaut nicht so, das ist das echte Leben.“

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