Menschen, die mit 54 Jahren noch eine Schuluniform mit kurzen Hosen tragen, gehören höchstwahrscheinlich in psychotherapeutische Behandlung zwecks Aufarbeitung eines Kindheitstraumas. Es sei denn, sie heißen Angus Young. Dann gehören sie auf die Bühne. Um sich dort auf den Boden zu werfen, mit den Beinen zu strampeln und währenddessen im Liegen Gitarre zu spielen. Oder im Hüpfen. Oder im Rennen über einen langen Laufsteg, der weit ins Publikum ragt, das ebenso tobt und grölt und springt und schwitzt. Genau so gehört es sich, seit mehr als 30 Jahren schon. Die fies scheppernde Gitarre und die gegrölten Texte über Sex, Drogen und Rock’n’Roll klingen nicht nach einer gut funktionierenden Masche im Wiederholungsmodus. Niemand unterstellt dieser Band Einfallslosigkeit oder Abzocke – obwohl sich vom ersten Album „High Voltage“ bis zum im Oktober 2008 erschienenen „Black Ice“ tatsächlich nichts geändert hat.

Die fünf älteren Herren sind hochgradig berufsjugendlich, aber seltsamerweise überhaupt nicht peinlich. Die tun nicht bloß so, die mögen, was sie machen. Sie sind die Malocher unter den Rockstars. Zum Dank bewegt sich die Masse vor der Bühne synchron, vom flaumbärtigen Schüler bis zum Mittvierziger im Muscle-Shirt. Die einen sind gekommen, weil sie jung und wild sind, die anderen, weil sie gern für einen Abend vergessen möchten, dass mindestens eines der beiden Attribute nicht mehr auf sie zutrifft. Beim Herausschreien von „Rock’n’Roll Singer“ (1976), „Rock’n’Roll Ain’t Noise Pollution“ (1980) oder „Rock’n’Roll Train“ (2008) sind sie dann irgendwie alle gleich – laut, erhitzt, in Bewegung. Bei AC/DC fließt echter Schweiß für echten Spaß.

Video-Tipp: „Let There Be Rock“ von AC/DC