Wenn sich die Form über den Inhalt stellt, dann ist der Popstar komplett. Katy Perrys musikalische Fähigkeiten sind zweitrangig. In der Öffentlichkeit und unter Fans sorgen primär andere Dinge für kribbelige Erregung: Ihr üppiges Dekolleté bei ihrem Auftritt in der amerikanischen „Sesamstraße“ bescherte Elmo rote Ohren und brachte prüde US-Mütter auf die Palme. Bei „Wetten, dass …?“ trug sie den knappsten Badeanzug der Fernsehgeschichte. Und auf dem Cover ihres aktuellen Albums „Teenage Dream“ räkelt sie sich nackt auf einer Wolke. Wer sich so geschickt in Szene setzt, bringt perfekte Voraussetzungen für ein Livekonzert mit, das wirklich wie ein projizierter Teenager-Traum aussehen wird: pinkfarbene Requisiten, bunte LED-Regenbögen und Bandmitglieder, die gekleidet sind wie freundliche Eisverkäufer im Vergnügungspark. Wer schon einmal in Disneyland war, bekommt eine ziemlich genaue Vorstellung davon, auf welche Fantasie-Reise es Katy Perry bei ihren Konzerten angelegt hat: Live-Entertainment so süß, lecker und spektakulär wie rosafarbene Hubba-Bubba-Kaugummiblasen. Mit dem Bild des naiven, süßen Mädchens, gepaart mit weiblicher Erotik, hat sie es zu einem der Pop- Phänomene der vergangenen Jahre gebracht. Während sich die andere große Kollegin Lady Gaga aber als eigene Kunstform versteht und ständig neu erfindet, bedient Katy Perry das Bild der netten und drallen Pop-Animateurin. Bei ihrem Sommerhit „California Gurls“ wird es glitzerfarbenes Konfetti regnen, während Familienmütter in die leuchtenden Augen ihrer zwei Konzertbegleiter schauen werden, heftig grübelnd, wer in diesem Moment erregter ist: die Tochter – oder der Ehemann.

Video-Tipp: „Teenage Dream“ von Katy Perry