Sie haben es ihren Fans nicht immer leicht gemacht. Vielleicht wissen sie zu genau, dass ihnen die Anbetung derer, die irgendwann seit 1986 ihre Pubertät durchlebten, immer gewiss sein wird. Kein wirklich wütender Teenager kam seitdem an „Reign In Blood“ vorbei. Heute kann man ihr genredefinierendes drittes Album getrost als Meilenstein der Musikgeschichte beschreiben. Doch schon der Nachfolger „South Of Heaven“ langweilte gehörig.

Und so wechselhaft ging es immer weiter: Anfang der Neunziger ließ die Band ihren begnadeten Schlagzeuger Dave Lombardo ziehen, nahm plötzlich aber gute Alben wie „Divine Intervention“ auf; dann leistete sie sich unfassbar peinliche NuMetal-Ausflüge auf „Diabolus In Musica“ oder „God Hates Us All“, holte dafür aber Anfang des Jahrtausends Lombardo wieder zurück.

Video-Tipp: „South Of Heaven“ von Slayer

Das abschließende Urteil wird im Metal aber auf der Bühne gefällt. Und auch wenn die aktuelle Tour wegen Tom Arayas Rückenproblemen bereits zweimal verschoben werden musste, altern Slayer live einfach nicht. Sie sind – ganz im Gegensatz zu ihrer Diskografie – konstant überwältigend. Araya keift auch 2010 noch, als wäre er jung und frustriert, Gitarrist Kerry King bleibt die größte Stilikone der Szene, und Lombardo prügelt mit dem gewohnten Irrsinn.

Wo der Zahn der Zeit anderen Weggefährten wie Metallica oder Megadeth tiefe Furchen ins Antlitz genagt hat, ist ein Slayer-Konzert immer noch ein herrlich befreiender Reigen aus Wut und Wahnsinn, in dem man sich wie 15 fühlen darf und auch gar nicht anders kann. Es ist also berechtigt, dass Slayer inzwischen die Metalband sind, auf die sich wirklich alle einigen können – sie haben es sich erspielt. Und der Anblick schöner, zierlicher Mädchen im Slayer-Shirt, die sonst bestimmt auch gerne zu Mando Diao oder Razorlight gehen, zaubert schließlich auch dem härtesten Head ein Lächeln ins Gesicht.
Tim Sohr