Es gibt Künstler, von denen erwarten ihre Fans geradezu, dass sie ihre Erwartungen über den Haufen werfen. Nicht auszudenken, sie würden zwei Alben hintereinander das Gleiche machen oder über Jahre mit der gleichen Band touren. Nein, das würde Howe Gelb nie machen. Er bleibt unberechenbar. So wie Neil Young, mit dem der Erfinder des Wüstenrocks gern verglichen wird. Wenn Gelb nun auf Solotour kommt, dann weiß man nicht genau, wer dabei sein wird: seine dänische Band, Kumpels aus Tucson, Arizona, alte Giant-Sand-Mitstreiter oder gar Gastsänger wie Neko Case oder M.Ward? Sicher aber ist: Die Solo-Tour überbrückt nur die Zeit bis zum nächsten Giant-Sand-Album. Jawohl: Giant Sand. Gelb ist einziger Überlebender der legendären Band und hegt und pflegt deren Vision eines breitwandigen, gitarrenlastigen und verspielten Americana-Rocks – mal unter dem Signum Giant Sand, mal als Howe Gelb. Einen großen Unterschied gibt es zwischen beiden Standbeinen kaum noch. Dabei ist auf der Bühne zwar nicht alles, aber vieles möglich: endlose, selbstverliebte Feedback-Orgien oder auf Hockern dahingeschrabbelte, melancholische Desperado- Balladen. „Man sollte in der Lage sein, Haken zu schlagen“, sagt der alte Wüstenfuchs.

Video-Tipp: „Train Singer Song “ von Howe Gelb