Das Geheimnis moderner Kunst besteht ja darin, dem Betrachter etwas Vertrautes zu geben, gleichzeitig aber für Überraschung zu sorgen. Den Virgins glückt dieses Kunststück mit ihrer Musik, indem sie nicht nur eine einzige musikalische Epoche zitieren (wie so viele Indiebands), sondern gleich mehrere Jahrzehnte Popmusik aufgreifen und neu interpretieren. Die Gitarrensounds sind gleichzeitig funky und schrammelig wie bei Phoenix, und auf der Bühne offenbart The-Virgins-Sänger Donald eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Rocko Schamoni und Mick Jagger, wenn er den schlaksigen Körper zu wohltemperierten Indie-Disco-Beats verrenkt. Apropos Rolling Stones: Wären die noch einmal Anfang 20 und nicht (wie damals) auf Heroin, so klänge ihr Sound wohl in etwa so wie der dieses jungfräulichen Trios.

Video-Tipp: „Private Affair“ von The Virgins