Die Luft der großen Konzertbühnen durften Muff Potter zuletzt 2008 als Vorband der Ärzte schnuppern. Mit den Songs ihres aktuellen Albums „Gute Aussichten“ kehren sie 2009 dahin zurück, wo sie wirklich zu Hause sind: in die Clubs. Hier ist die Luft dicker, es riecht nach Bier und Schweiß. Und genau das passt zur Musik von Muff Potter. Die können das Pop-ABC zwar rückwärts aufsagen, ihre Wurzeln aber liegen im Punkrock. So wird gehüpft und gerempelt vor der Bühne, und nur gelegentlich gönnen Muff Potter dem Publikum mit Songs wie „Gestern an der Front“ eine Verschnaufpause. Das passt nicht in die großen Hallen. Aber dahin wollen sie auch nicht. Nicht umsonst heißt eines ihrer tollsten Lieder „Wir sitzen hier vorm Molotow“ und nicht „Wir sitzen hier vorm Olympiastadion“.

„Und das Leben ist, wie man so hört, kein Ponyhof, kein Wunschkonzert“, lautet eine andere Textzeile aus dem Muff-Potter Album „Steady Fremdkörper“. Mag sein, dass das Leben kein Wunschkonzert ist, ein Live-Auftritt von Muff Potter aber ist es allemal. Auf den zahllosen Konzerten hat sie ihrem Publikum noch jeden Wunsch erfüllt. Für die Mädchen geben die tätowierten Herren bei Songs wie „Bis zum Mond“ die harten Kerle mit dem durchaus weichen Kern. Und für die Jungs sind die ersten Riffs von „100 Kilo“ das Zeichen, dass jetzt ordentlich gerempelt werden darf. Wirklich wunschlos nach Hause gehen alle aber erst dann, wenn die letzten Töne der Single „Fotoautomat“ verklungen sind.

Muff Potter und ihre Fans waren 15 Jahre innig befreundet: Gemeinsam tranken sie Cocktails vor dem Molotow, und ihre Herzen schlugen dabei mit 100 Kilohertz. Natürlich gab es auch mal Streit, und mit der einen oder anderen Entscheidung des Gegenübers war man unzufrieden – Schwamm drüber. Als wenn gute Uni-Kumpel nach dem Abschluss plötzlich auswandern, ist es nun an der Zeit, sich standesgemäß zu verabschieden. Natürlich wird die Abschiedstour ein rauschendes Fest, aber zwischen Punkrock, Schweiß und Bier wird es auch Momente geben, in denen man innehält und die gemeinsame Jugend Revue passieren lässt. Anschließend gehen dann alle ihrer Wege. Und finden vielleicht schon bald neue Freunde.

Video-Tipp: „Alles nur geklaut“ von Muff Potter