Die Sterne sind jetzt zu dritt und machen Disco. Das klingt zunächst ziemlich beängstigend, dann aber verdammt gut. Christoph Leich, Thomas Wenzel und Frank Spilker fabrizieren nämlich keinen Fox, sondern dank ihres aktuellen Albums „24/7“ ein Konzertprogramm, das die Hüften in Schwung bringt. Es wird getanzt, mit vollem Körpereinsatz, zu einer Mischung aus House und Munich Pop. Und auf Zeilen wie „Tanz den Burnout, tanz das Syndrom“ oder „Wir sind der Convenience-Shop, wir sind deine Sklaven“. Das geht. Frank Spilker macht es vor. Er kommt dabei auch nicht aus dem Takt, wenn wieder mal jemand „Fickt das System“ brüllt, obwohl der Song dieses Jahr schon volljährig wird. Oder „Was hat dich bloß so ruiniert?“.

Was für Die Sterne ohnehin unpassend ist, denn sie sind in bester Verfassung, auch wenn Keyboarder Richard von der Schulenburg die Band nach neun Jahren in allseitigem Einvernehmen verlassen hat. „Wir waren schon immer Disco“, finden die drei anderen. Und legen los. Zu Liedern wie „Life In Quiz“ oder „Deine Pläne“ würden auch zuckende Laserblitze gut passen. Die Texte schneiden sich durch den Rhythmus, jedes Wort sitzt, sie grooven, ohne den Verstand auszuschalten. Zuerst die neuen Songs, dann etliche Zugaben. So geht das: Kapitalismuskritik und Disco. Deswegen muss sich auch niemand schlecht fühlen, wenn er sich bei diesen Texten nicht schlecht fühlt, sondern ausgelassen. Und dass die Melodien der Sterne jetzt dazu verleiten, an Discokugeln und Stroboskoplicht zu denken, ist auch kein Fehler. So bleibt alles nämlich lange im Ohr, hallt beim U-Bahnfahren wider und kreist im Kopf. Aber fangen wir erst einmal mit der Hüfte an. Vielleicht wird daraus ja eine Post-Jugendbewegung.
Manu Schmickler

Video-Tipp: „Deine Pläne“ von Die Sterne