Sich einmal so fühlen wie die Beatles. Für 99,1 Prozent aller Bands ist das genauso wahrscheinlich wie das Erringen der Meisterschale für den Zipsendorfer Fußballclub Meuselwitz. Es sei denn, sie folgen dem Beispiel der Fotos. Die hatten gerade ihren Beatles-Moment: auf Tour in Indonesien. Sänger Tom Hessler: „Was da abging, hat uns total überrollt. Die Leute haben das gesamte Konzert über gekreischt. Später mussten wir Reißaus nehmen, weil sie uns sonst die Klamotten vom Leib gerissen hätten.“ Das Goethe-Institut hatte die Hamburger als Popmusik-Botschafter in die Welt hinausgeschickt – neben Indonesien auch nach Indien, Sri Lanka und Bangladesch. Selbst teilweise steinzeitliches Equipment und die nicht vorhandene Textsicherheit der Zuhörer taten der Ekstase keinen Abbruch. „Was ich gelernt habe: Es kommt weniger auf die perfekte technische Umsetzung der Songs an, sondern vor allem auf die Energie zwischen uns und dem Publikum“, meint Hessler. Und das, obwohl der Frontmann eigentlich ein Pedant ist, wenn es um den perfekten Sound geht – der sich nicht allein auf die Instrumentierung beschränkt: „Der Text muss mit der Musik zusammenfließen.“

Video-Tipp: „Du fehlst mir“ von den Fotos

Das gilt auch für das aktuelle Fotos-Album „Porzellan“. Darauf hat sich das Quartett vom hemdsärmeligen Indierock der Anfangstage hin zum britischen Shoegazersound der 80er entwikkelt. „Wir wollen die Leere hörbar machen“, so Hessler. Mit Olaf Opal stand ihnen dabei ein erfahrener Produzent (arbeitete unter anderem mit The Notwist) zur Seite, der ein großer Verehrer von Bands wie My Bloody Valentine oder Ride ist und noch dazu circa 287 Effektgeräte besitzt. Auch wenn sie die nicht alle mit auf Tour schleppen können, eines ist ganz sicher: Laut werden die Konzerte werden, verhallt und verzerrt und, ach, womöglich sogar genauso ekstatisch wie in Indonesien.