Konstantin Gropper ist gerade mal 30 Jahre alt, seine Texte kreisen aber immer wieder um Themen wie Vergänglichkeit, Tod und Einsamkeit. Macht ihn das zum Stimmungskiller? Keinesfalls! Zugegeben: Freunde des ausgelassenen Moshpits werden bei einem Konzert von Get Well Soon nicht auf ihre Kosten kommen, aber Gropper versteht es, seine Zuhörer auf seine ganz eigene Weise bestens zu unterhalten. Wenn er von den besagten großen Themen singt und beinahe ein ganzes Orchester dazu imposante Melodien spielt, wähnt man sich auf dem Schoß eines weisen Geschichtenerzählers. Man fühlt sich nicht von seinen melancholischen Gedanken eingeschüchtert, sondern geborgen und sicher. Groppers Musik funktioniert deswegen großartig zu Hause, allein auf der Couch, beschallt durch soundgewaltige Boxen. Aber gerade auf seinen Konzerten verstärkt sich dieses Gefühl noch, etwas ganz Großes mitzunehmen. Zwar macht das jeder für sich allein, ohne es im Tanz mit anderen zu erleben, doch kann man sicher sein: Jeder erfährt gerade das gleiche Gefühl. Außerdem präsentierte sich Get Well Soon auf seinem letzten Album „The Scarlet Beast O“Seven Heads“ von einer ganz anderen, sehr persönlichen Seite. So weit gehen und die Platte mit Groppers Worten „sommerlich“ zu nennen wollen wir zwar nicht. Man darf aber darauf gespannt sein, ein bisschen vom verschlossenen Herrn Gropper hinter Get Well Soon kennenzulernen.

Video-Tipp: „Witches! Witches! Rest Now In The Fire“ von Get Well Soon

Get Well Soons Zweitling „Vexations“ („Schikanen“) ist ein lyrischer Flickenteppich, verziert mit Referenzen an europäische Geschichte, Musik und Literatur, in den Gropper seine eigenen Gedanken hineingewoben hat. Die Platte ist durchdachter geraten als ihre Vorgängerin und wirkt durch die Hinzunahme der Band homogener. Mit seiner dunklen Stimme taucht Gropper jeden Saal in Schwarz, seine Band aus Multiinstrumentalisten spielt majestätisch wie ein Sinfonieorchester. Besonders authentisch: Die Bandmitglieder kommen ohne Samples aus, Streicher und Bläser musizieren live. Die dichte Atmosphäre wird so noch einnehmender, die cleveren Arrangements wirken noch differenzierter. So gelingt diesen Virtuosen der Brückenschlag zum alten Material auf beeindruckende Weise. Wer darüber staunen möchte, mit wie viel Ambition und Ästhetik Popmusik heutzutage auftrumpfen kann, ist hier goldrichtig.
Gordon Barnard