Wie ein Rennwagen, der in eine riesige Torte rast“, so beschreibt die Band ihren Sound selbst – aufregend, süß und etwas zermatscht. Ob dies eine hinreichende Beschreibung ihrer Musik ist, sei dahingestellt. Auf jeden Fall gibt es ein gutes Bild, wie die drei Musiker aus New York ticken. Sie lieben es, sich untereinander in andere Sphären zu reden, völlig in ihre eigene Welt abzudriften. Mit dieser Vorliebe haben sie sich von Anfang an den Ruf erarbeitet, uninterviewbar zu sein. We Are Scientist kosten ihre Freiheiten in vollen Zügen aus.

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Ihre Fans bekamen dies auch musikalisch zu spüren. Nach dem Ausstieg von Drummer Michael Tapper machten Chris Cain und Keith Murray zu zweit weiter und veröffentlichten „Brain Thrust Mastery“. Das Album erfuhr wenig Gegenliebe – zu ruhig, zu sanft fanden viele ihrer Fans den Sound. Im Jahr 2009 stieß der ehemalige Razorlight-Drummer Andy Burrows zur Band, und „Barbara“ wurde aufgenommen: Und da ist er wieder, dieser kraftvolle, ausdrucksstarke Sound. Viele, die schon bei „Nobody Move, Nobody Get Hurt“ hellhörig wurden und beim absolut großartigen „After Hours“ am Ball geblieben sind, werden verzückt sein.

Die Songs auf „Barbara“ erreichen selten die vier Minuten, greifen besonders live gewaltig. Es stellen sich einem die Nackenhaare auf, wenn Keith Murray – grauhaarig und sexy wie immer – den Rücken dem Publikum zugewandt mit seiner Fender vor die Boxentürme tritt und ungehemmt loslegt. Chris Cain bietet ihm nicht nur am Bass Paroli, sondern stellt zwischen den Songs gern seinen extrem schrägen Humor unter Beweis. Während sie spielen, sind sie jedoch hoch konzentriert bei der Sache. Sie sind Profis – und bei allen Scherzen eben doch keine Clowns. We Are Scientists haben sich musikalisch entwickelt, sind trotz aller Experimente aber Liveband und Gesamtkunstwerk geblieben.
Tim Pommerenke