Epic 45 schreiben die Geschichte und die Gesetze der britischen Hype-Industrie um. Wahrscheinlich und gerade deswegen sind sie näher am Herzen als an den Titelseiten. Tatsächlich ist das, was man von dieser Band in den letzten Jahren bekommen hat, mit allen Farben gemalt, um sich übersteuert an jedes Bewusstsein zu docken. Aber Genie ist eben nicht in Wortgruppen erklärt.Das „Word Magazine“ hält nichts von dieser These und beschreibt ihr letztes Album „May Your Heart Be The Map“ mit den Worten „the best english summer album ever“. Ganz so falsch liegen sie da nun auch wieder nicht. Was die beiden Schulfreunde Ben Holton und Rob Glover aus den englischen Midlands mit ständig wechselnden Mitgliedern seit über einer Dekade geschaffen haben, ist eine der schönsten musikalischen Brücken zwischen Nostalgie und Moderne, diese klassische Hingabe zum Pop der Achtziger, gültigster Shoegaze der Neunziger und clevere Architekturen aus Electronica der Jetztzeit. Gerade Shoegaze wurde in den letzten Jahren immer wieder aus dem Keller gezogen und mit allerhand Blumen beworfen. Wobei viele Bands, die sich mehr oder weniger bewusst an dieses Genre klammern, als einfältige Kopien ihrer Helden verblassen. Bei Epic45 ist das anders: Mit Ambient-Alben hat man Ende der Neunziger begonnen und sich langsam aber sicher zum Pop vorgearbeitet. Zitate und Referenzen aus dem Shoegaze mit Verweisen zu Bands wie Slowdive, Lush oder My Bloody Valentine finden sich auch in ihrer Musik. Nur werden diese nie entblößt, bleiben stolz und lassen schmerzfreie Erinnerungen zu. Mit jedem Album wird diese Band ein bisschen besser. Immer die eigene Geschwindigkeit zu fahren, scheint das Geheimnis zu sein und auf der rechten Spur bekommt man ja auch immer etwas mehr von der Landschaft mit. Epic45 sind nicht weniger als eine Offenbarung.

Video-Tipp: „Ghosts On Tape“ von Epic45