In Kilmarnock zählen drei Dinge: Johnnie Walker, der heimische FC und der Motorway 77, der in nicht einmal einer Stunde nach Glasgow führt. Kein leichtes Pflaster für eine Band, die sich seit ihrer Gründung 1995 von all den britischen verpickelten Lederjackenkids, die ihre Gitarren kurz unter dem Hals tragen und mehr glucksen als singen, unterscheidet. Das wollten Biffy Clyro nicht. Keinen aufgesetzten Weltschmerz, keine Pilzköpfe, kein „The“. Gerade der Name suggeriert: hier geht es um etwas anderes, Jungs. Dabei will das Trio aus Simon Neil und dem Zwillingspaar Ben und James Johnston lediglich nicht in eine Ecke gestellt werden und sich stilistische Freiheiten bewahren. „Wir wollen einfach vielseitig sein und alles eher komplex gestalten“, gab Neil in einem Interview an. Der Todesstoß für eine erfolgreiche Karriere im genregeilen Musik-Business sollte man meinen. Aber weit gefehlt. Ihre brillante musikalische und energetische Bühnen-Performance ließ die Band schnell zu einer der Top-Live-Bands der Insel werden. Ihre Mischung aus experimentellen, vertrackten Kompositionen und dem Pop-Appeal ihrer mehrstimmigen Refrains hat genau das nicht, was viele andere sogenannte Prog-Bands zu viel haben: Pathos. Unprätentiös und sympathisch waten die drei Schotten durch ihre Wall Of Sound und vergessen dabei nicht, dass man für die größere Aufmerksamkeit einen Ohrwurm braucht. Einen wie „Mountains“ vom sensationellen aktuellen Album „Only Revolutions“, dem überraschenderwiese sogar der Charteinstieg gelang. So schmelzen Labels und Klischees in sich zusammen wie Schneemänner in der Sonne. Den drei Freigeistern ist das ohnehin egal. Man ist bescheiden, wenn man aus Kilmarnock kommt.

Video-Tipp: „Black Chandelier“ von Biffy Clyro

Biffy Clyro — Black Chandelier – MyVideo