Es mutet schon ein wenig merkwürdig an, im Falle der Reunion von Hole von einem Comeback zu sprechen. Schließlich war Courtney Love, und nur um die geht es bei dieser Band nun einmal, nie weg. Ständig hörte man von ihr. Mal, weil sie versucht hatte, das Haus ihres Freundes und Managers Jim Barber durch dessen geschlossene Fensterscheiben zu betreten. Mal, weil sie wieder unter dem Einfluss irgendwelcher ihrer Gesundheit nicht zuträglichen Substanzen von der Polizei aufgelesen worden war. Nur Musik, die hörte man von ihr seit ihrem Soloalbum „America’s Sweetheart“ aus dem Jahr 2004 so gut wie nie. Doch beim South By Southwest Festival in Texas standen Hole 2010 wieder auf einer Bühne. Abgesehen von Love waren alle Mitglieder der Band Neulinge, aber das ist, wie eben bemerkt, egal.

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Courtney Love sah gut aus, wobei man natürlich berücksichtigen muss, dass der Begriff „gut aussehen“ durch sie eh eine ganz eigene Definition erfährt. Und dann stimmte sie „Skinny Little Bitch“ an, einen Vorboten des neuen Hole-Albums „Nobody’s Daughter“. Abgrundtief böse groovten Bass, Gitarren und Schlagzeug, und Loves perfekt geraspelte Stimme bellte die Worte heraus, dass sicher manch ein Kerl im Publikum Angst um seine Freundin bekam. Auf der Stelle war alles wieder da, was Hole je ausmachte: Diese ständig am Siedepunkt brodelnde Mixtur aus Rock, Punk und Grunge. Das Wissen, dass die in Loves druckvollem Gesang präsente Wut die sicherlich wahrhaftigste weit und breit ist. Und die so immens reizvolle wie leider auch völlig falsche Erkenntnis, dass ein anständiger Exzess dann und wann noch keinem geschadet hat. Courtney Love ist und bleibt die unbestrittene Urmutter aller Riot-Grrrls. Nicht schlecht für eine 45-jährige Witwe und Mutter einer fast erwachsenen Tochter.
Christian Zeiser