Sie sagte kein Wort zu viel. Genau genommen sprach Sade Adu sogar gar nicht, als sie 2010 mit „Soldiers Of Love“ ihr erstes Album seit zehn Jahren vorlegte. Da war nichts außer der Musik – diese elegante Mischung aus entschleunigtem Soul und Jazz, über dem ihre erotisch-exotische und so angenehm samtige Stimme thront. Ausreichend, um sich in den USA, England und Deutschland an Top-Positionen der Albumcharts zu setzen – der größte Triumph der nigerianisch-britischen Sängerin seit ihrem Frühwerk „Promise“ von 1985. Völlig konträr zum aktuellen Zeitgeist steht Sade auch sonst für ein Konzept der Zurückgenommenheit. Bei ihren Konzerten passiert die größte Extravaganz immer dann, wenn Bandkollege Stuart Co lin Matthewman die Frontlady mit seinem Saxofon fixiert, so als wolle er eine Schlange beschwören. Doch Sade zappelt nicht, sie ist die Königin der Minimal-Bewegung. Fast macht es den Eindruck, als wäre die Zeit stehen geblieben, wenn die immer noch wunderschöne 52-Jährige mit strengem Zopf und armreifgroßen Ohrringen lässig ihre Hüften zu den rhythmischen Wohlklängen ihrer Band wiegt. Von der Decke baumelnde Akrobaten oder rasante Kulissenwechsel sucht man bei ihren Shows vergeblich. Sade inszeniert sich eher wie eine weiße Leinwand, die sich mit jedem Song mehr und mehr mit Farben füllt. Obwohl sie stets ein Hauch von Mysterium umweht, findet sie Zugang zu den Seelen der Menschen. Wenn Sade singt, transportiert das Intimität, Anmut und Verletzlichkeit mit der Hoffnung auf ein gutes Ende. Es wird Sades Aura sein, die ihre ersten Deutschlandkonzerte seit 18 Jahren zu einem Event machen, das man nicht verpassen darf.

Video-Tipp: „Hang on to your love“ von Sade