Weiterentwicklung ist das Stichwort. Und das Unwort. Kaum ein Begriff wird so überstrapaziert, wenn es in der Musik um die Alben geht, die auf ein besonderes Debüt folgen. Meistens ist dann nämlich von einer Weiterentwicklung die Rede, die nur leider selten zu hören ist.

Nicht so bei Lykke Li: „Wounded Rhymes“ ist tatsächlich inhaltlich und musikalisch eine gewaltige Weiterentwicklung zum Elfen-Pop ihres Erstlings „Youth Novels“. Von der mädchenhaften Putzigkeit ist nichts mehr übrig, die Musik ist dunkler, härter, abgründiger, viel spannender. Die Schwedin stimmt den Abgesang auf die eigene Jugend an. „Sadness Is A Blessing“ heißt ein Song, der thematisch die Richtung vorgibt: Traurigkeit durchzieht das Werk der gereiften Lykke, auch Ängste, Selbstbestimmung und Kontrollverlust werden beklemmend intensiv verhandelt – ohne dabei zu morbide zu wirken.

Aber was bedeutet das für die einzigartige Bühnenperformance der Schwedin? Zum Glück keine große Veränderung. Bereits auf früheren Konzerten offenbarte Lykke Li ihren Hang zum Abgründigen und mischte ein gefährliches Funkeln in den Hundeblick. Schon damals verlor sie sich gern in den düsteren Nischen ihrer großartigen Indiepopsongs. Süß war sie immer höchstens vordergründig.

In „Get Some“, der ersten Single zu „Wounded Rhymes“, bietet sie sich nun an: „Like a shotgun needs an outcome / I’m your prostitute, you’re gonna get some.“ Eine Ansage, die man auch auf die Live-Künstlerin beziehen kann. Lykke Li tanzt, als gelte es, aus einem negativen Stru del an die Oberfläche zu schwimmen. Ihr Gesang klingt dazu mal flehend, mal anklagend, manchmal aggressiv. Auf der Bühne ist die traurige Frau keine Frau von Traurigkeit. Und in dieser Rolle ist sie so aufregend, wie Katy Perry oder Rihanna gern wären.

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